Auf alten Pfaden und neuen Wegen – Teil 5
Inhaltsverzeichnis: | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5
Sound installieren
Auf betagten Computern kann man zwar häufig keine Filme mehr gucken, weil Grafikkarte und Prozesser dafür zu schwach sind, aber Musik und Hörspiele gehen immer noch sehr gut. Nebenbei gesagt sind beim Tecra 8000 die Lautsprecher auch gar nicht mal so schlecht. Die Qualität ist besser als die eines durchschnittlichen Küchenradios. Leider wird die Soundkarte, wie so oft bei älteren Rechnern, nicht auf Anhieb erkannt. Hier ist erstmal eine Suchmaschine eine gute Wahl. Wenn das Problem zu lösen ist, dann wurde es in den meisten Fällen schon von jemand anderem gelöst. Um herauszufinden, ob die Soundkarte wenigstens erkannt wurde und um welches Model es sich handelt, gibt man folgenden Befehl in der Kommandozeile ein:
lspci | grep audio
Sollte das nicht helfen, muss man in die Dokumentation des Computers schauen oder, falls die nicht zur Hand ist, den Rechner wohl oder übel aufschrauben und auf die Soundkarte schauen. Aber meist wird die Karte vom Betriebssytem zumindest erkannt.
Es kommt vor, dass die Lösung im Internet nicht in einer Sprache präsentiert wird, die man zur Zeit verstehen kann. Außerdem geben Übersetzungsprogramme nur Kauderwelsch aus und die fremden Schriftzeichen zu lernen, dauert zu lang. Zum Glück für Linuxer sind die Lösungswege meist in der universellen Sprache der Shell geschrieben. Es ist zwar mittlerweile nicht mehr notwendig, sich mit der Kommandozeile auseinanderzusetzen, um ein GNU/Linux-System zu bedienen, es bringt allerdings nur Vorteile mit sich, wenn man es kann. Um den Sound auf den Tecra 8000 unter Debian zu aktivieren, musste ich nur ins englisch-sprachige Ubuntuforum schauen, da hatte es schon jemand mit Ubuntu geschafft.
Für den Sound ist auf modernen Linux-Systemen ALSA, die Advanced Linux Sound Architecture zuständig und muß erstmal installiert werden:
aptitude install alsa-utils
Danach legen wir eine Datei mit dem Namen “/etc/modprobe.d/sound” an und schreiben folgendes hinein:
alias snd-card-0 snd-opl3sa2 options snd-opl3sa2 dma1=1 dma2=0 fm_port=0x388 irq=5 midi_ port=0x330 sb_port=0x220 wss_port=0x530 isapnp=0 # some stuff for the OSS drivers alias char-major-14 snd-pcm-oss alias sound-slot-0 snd-card-0 # aliases for sound card #1 alias sound-service-0-0 snd-mixer-oss alias sound-service-0-1 snd-seq-oss alias sound-service-0-3 snd-pcm-oss alias sound-service-0-8 snd-seq-oss alias sound-service-0-12 snd-pcm-oss
Wobei nach der zweiten Zeile kein Umbruch sein darf. Es muss eine einzige lange Zeile sein, die hier leider nicht mehr gepasst hat. Danach hängt man noch die Zeile snd-card-0 an die Datei “/etc/modules” an, damit die Einstellungen beim Booten geladen werden:
echo "snd-card-0" >>/etc/modules
Anschließend startet man ALSA (oder den Computer) neu und hat Sound:
/etc/init.d/alsa-utils restart
Um die Sache zu vereinfachen, habe ich das Skript snd2tecra8000 geschrieben. Um es zu benutzen, muss man es herunterladen und ausführbar machen:
wget http://imhorst.net/scripts/snd2tecra8000 && chmod +x snd2tecra8000
Die Einstellungen für die Soundkarte werden dann mit folgendem Befehl geschrieben:
./snd2tecra8000 --alsa
Anschließend muss ALSA neu gestartet werden.
OSS
Wenn die Karte älter ist und es keine Treiber für ALSA gibt, kann man sein Glück mit OSS, dem Open Sound System versuchen, dem Quasistandard für verschiedene andere Unix-Systeme. Bevor man sich das entsprechende Debian-Paket herunter lädt und installiert, müssen ein paar Vorkehrungen getroffen werden. Für die Installation sollten zuerst folgende Pakte besorgt werden:
aptitude install gcc make binutils linux-headers-$(uname -r) build-essential
Danach kann man das OSS-Paket für Debian von 4Front unter http://www.4front-tech.com/release/oss-linux_v4.0-1013_i386.deb herunterladen und installieren:
dpkg -i oss-linux_v4.0-1013_i386.deb
Um die Karte mit dem System unter OSS bekannt zu machen, kann man mein Skript mit entsprechender Option benutzen
./snd2tecra8000 --oss
oder folgendes selber in die Datei “/etc/modules” eintragen:
# /etc/modules: kernel modules to load at boot time. opl3sa2 io=0x220 mss_io=0x530 mpu_io=0x330 irq=5 dma=1 dma2=0 mpu401 sound ad1848
Sollte bei der Installation von “oss-linux” etwas schief gelaufen sein, bietet des Forum von 4Front Hilfestellung an, die Reste der Installation zu entfernen.
Ich habe es zwar noch nicht ausprobiert, aber da OSS ja Quasistandard unter anderen Unix-Systemen wie Free-, Open- oder NetBSD ist, müsste mein Skript “snd2tecra8000″ mit der Option für OSS auch unter ihnen funktionieren. Aber das ist ohne Gewähr.
Geschrieben in Gnu/Linux


28. März 2008 um 12:39:39
Hallo Christian,
ich habe den Artikel mit sehr viel Interesse gelesen. Auch die Kommentare. Ich kann nur sagen Respekt auch deine Umgang bzw. deine Ausführungen zum Vergleich Linux vs Microsoft. Ich selbst mache mich im Moment gerade dazu auf Linux (Debian) zu erforschen.
Ich möchte für meine Kinder, alte Laptops mit Linux bespielen und mit Lernprogrammen versehen. Ich weiß das es unter Debian die junior -* Paketet gibt hast Du denn noch weiter Tipps für mich was mein Vorhaben betrifft??
Die Kinder sind im Alter von 6 bis 14 Jahren.
Freundliche Grüße
Hartmut Winter
28. März 2008 um 21:35:16
Hallo Hartmut,
vielen Dank für deinen Kommentar. Debian zu erforschen ist eine sehr gute Idee, da ich für meinen Teil Debian für eine der besten Distributionen halte.
Mit Debian-Jr. habe ich mich noch nicht beschäftigt, daher kann ich dazu gar nichts sagen. Es hört sich allerdings sehr interessant an. Da ich auch nicht genau weiß, auf welche Laptops (Prozessor, RAM etc.) du Debian installieren willst und mit welcher Konfiguration (Gnome- oder KDE- oder anderer Desktop), habe ich aktuell keinen Tipp für dich, was dein Vorhaben betrifft.
Bei konkreten Fragen oder Problemen helfe ich dir aber gerne. Sag einfach bescheid.
Viele Grüße,
Christian
31. März 2008 um 17:53:37
Hallo Christian,
zuerst einmal danke für deine Antwort und dein Angebot auf das ich nun zurück kommen möchte.
Ich habe das Laptop nach deiner Anleitung installiert also mit Fluxbox.
Das Laptop ist ein Acer Travelmate 518TX es hat 192 MB RAM und eine 400 MHZ CPU. Wenn ich mir nach der installation mit free den Ram anzeigen lasse habe ich noch gute 100 MB frei. Sollte also reichen. Mein Problem war zuerst das mit dem 2.6 Kernel das CDROM Laufwerk nicht richtig erkannt wurde. Das hat mit dem 2.4 Kernel unter Sarge funktioniert. habe mir dann unter Etch damit beholfen acpi auszuschalten dann hat es funktioniert. Erkenne allerdings nicht unbedingt den Zusammenhang. :-)
Allerdings habe ich ein kleines Problem der Sound funktioniert nicht. Ich habe mittels lspci herausgefunden das es sich um eine ESS Technology ES1969 Solo-1 handelt. Mit modprobe snd-es1938 habe ich das zugehörige Modul nachgeaden wird mir auch per lsmod angezeigt. Es funktioniert aber nicht. (z.B. der Sound bei Spielen) Die Juniorpakete von Debian sind toll. Zum Schluß kannst du mir vielleicht auch noch einen Tipp geben wie ich einen Autologgin hinbekomme? Das Laptop ist für einen 5 Jährigen und da wäre es toll wenn er es einfach nur einschlalten muß.
Vielen Dank im Vorraus.
Viele Grüße
Hartmut
31. März 2008 um 18:38:31
Moin Hartmut,
manchmal muss man bei alter Hardware ganz schön tricksen, bis man die gewünschte Konfiguration aufgespielt hat. Aber ich finde, dass gerade die Schwierigkeiten und Probleme einem dabei helfen, Gnu/Linux besser kennenzulernen. ;-)
Bei deinem Soundproblem gehe ich jetzt mal davon aus, dass du ALSA installiert hast. Wenn dem so ist und die Soundkarte richtig konfiguriert ist, würde ich mal folgenden Befehl als Root eingeben:
alsamixerIm folgenden dürfen PCM und CD nicht auf “Mute” stehen (erkennt man an dem “MM”, stattdessen gehört da ein “00″ hin). Wenn du den Balken anwählst, dann kannst du mit der m-Taste den Ausgang auf Stumm oder eben nicht Stumm schalten und mit der Pfeil-Oben-Taste das Ganze dann lauter machen.
Ansonsten müsste es noch das Tool “sndconfig” bei Debian Etch geben. Installiere das doch mal und starte es als Root, um dann deine Soundkarte auszuwählen, wenn der Tipp mit “alsamixer” gar nicht funktionieren sollte.
Sag mal bitte bescheid, ob einer der beiden Ansätze bei dir geholfen hat.
Wegen dem Autologin kann ich dir den Pro-Linux-Artikel Kurztipp: Beim Start automatisch als User einloggen empfehlen. Da es bei Etch noch die Datei /etc/inittab gibt sollte der Kurztipp funktionieren.
Viele Grüße,
Christian
31. März 2008 um 21:42:43
Hola Christian,
ich ziehe meinen Hut vor Dir.
Hier nun die Zusammenfassung:
Der Aufruf von alsamixer hat es glaube ich gelöst.
Der Ton war bei PCM und CD beidesmal auf Null ich habe den Regler hochgeschoben und siehe da es geht. Danke Danke Danke. :-))
Das Programm sndconfig habe ich nicht gefunden ich glaube das gibt es nicht bei Debian zumindest nicht mittels apt oder aptitude.
Ist ja aber auch egal hat ja auch so funkioniert. Der Tipp mit dem Autologin hat auch super funktioniert. Alles Prima alles bestens.
Noch einmal vielen Dank für die schnellen und genauen Antworten.
Ich kann nur jedem empfehlen deine Serie genau zu lesen es steckt sehr viel Information drin (z.B. Apt vs. Aptitude)
Auch deine Aussagen über MS Windows haben mich sehr beeindruckt nicht diese dauernde (Windoof etc.) jedes Betriebsystem hat seine Berechtigung. So nun schweife ich aber ab. Ich hoffe Du führst die Serie noch weiter.
Viele Grüße
Hartmut
1. April 2008 um 16:47:27
Hallo Hartmut,
schön, dass ich helfen konnte und jetzt alles funktioniert.
Ich habe auf jeden Fall vor, meine kleine Serie weiterzuführen. Sobald ich wieder etwas Zeit zum Schreiben habe, geht es wieder los.
Viele Grüße,
Christian
13. Oktober 2008 um 19:33:14
[...] Inhaltsverzeichnis Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 [...]
13. Oktober 2008 um 19:36:21
[...] Inhaltsverzeichnis: | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 [...]
22. November 2008 um 13:15:20
[...] Inhaltsverzeichnis: | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 [...]
4. Februar 2009 um 19:12:59
[...] 2 3. Januar 2008 von Christian Imhorst Inhaltsverzeichnis: | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 Das Grundsystem von Debian ist nun installiert und nach dem Einloggen findet man sich in der [...]