Computerspenden für Afrika: Segen oder Schrott?
In meinem Artikel Linux rettet die Welt schreibe ich sehr positiv darüber, wie man alte Rechner mit einem modernen Betriebssystem ausstatten könnte, um sie an Entwicklungs- und Schwellenländer zu spenden. Alex Antener von “Exterminate All the Brutes” sieht solche Projekte kritischer und hat damit auch Recht. In seinem Vortrag Freie Software – Eine Chance für Afrika? auf dem 23. Chaos Communication Congress berichtete er über seine Erfahrung am polytechnischem College von Blantyre, Malawi, wo er mitgeholfen hat, ein Computernetzwerk mit Servern, ThinClients und dem Betriebssystem Edubuntu aufzubauen. Am Ende des Vortrages schließt sich eine Fragerunde an, in der er sagt: “In Blantyre hast du fünf Mal am Tag Stromausfall. Jetzt werden so alte Computer von irgendwelchen Organisationen geschickt und die Uni muss sich für jeden Computer ein UPS, so ein Batteriesystem kaufen, die sehr teuer sind. Mit dem ThinClient-System müssen wir nur dem Server so ein UPS hinstellen. Wenn die ThinClients keinen Strom hatten, wurde das System beim erneuten Start einfach wiederhergestellt.”
Alte Computer nach Afrika zu spenden ist also kontraproduktiv, weil für jeden Rechner Geld für ein System zur unterbrechungsfreien Stromversorgung aufgewendet werden muss. Abgesehen davon, so Alex weiter, würden diese Rechner mit Pentium II oder III Prozessoren meist nicht gespendet, sondern der Schrott würde auch noch “verkauft”. Demnach ist es ökonomisch sinnvoller gleich in moderne ThinClient-Systeme zu investieren. Oder, was ich mir auch vorstellen könnte, wäre ein Projekt oder ein Verfahren, das alte Computer in ThinClient-Systeme plus Server umwandelt, und das praktischer Weise auch gleich vor Ort ist, wo die Computer gebraucht werden. Inwiefern es so ein Projekt schon gibt, oder ob es überhaupt machbar ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wäre es gut, wenn Projekte wie das Charity Network in Norderstedt aus den Erfahrungen von “Exterminate All the Brutes” lernen würden und nicht mehr Computerschrott mit einer fünf Dollar Lizenz für Windows 2000 nach Namibia und in andere Länder verschicken würden. Diese Geschichte kann man übrigens gut im Weblog von Michael Edwards nachlesen.
Geschrieben in Gnu/Linux


26. Juni 2007 um 13:09:07
Ein Projekt, das alte Hardware in neue Rechner (auch Thin Clients) umwandelt, ist z.B. revamp-it in Zürich. Ich glaube, der günstigstmögliche bürotaugliche Rechner kostet soweit ich weiss CHF 50.- (ca. EUR 32.-), natürlich inkl. freiem Betriebssystem. Kann aber auch sein, dass der EInstiegspreis CHF 100.- ist. Noch immer günstig!
26. Juni 2007 um 13:33:14
Danke für die tolle Info. Aber Schade, dass es den Laden nur in Zürich zu geben scheint. Das ist für mich ziemlich weit weg. Vielleicht kennt ja jemand noch ein ähnliches Projekt in einer anderen Stadt. ;-)
11. September 2007 um 15:45:01
[...] Christian Imhorst made an interview with me for the online-magazine “Freies Magazin”. The Interview is only available in german Language. [...]
1. Februar 2008 um 14:41:47
Alex mag in seinem speziellen Fall Recht haben, wie verhält es sich allerdings, wenn gar kein Geld vorhanden ist und man so also auch kein ThinClients oä kaufen kann?
Wir sind ein Verein auf den Kapverdischen Inseln (Westafrika) und absolut angewiesen auf alte Rechner die uns zugeschickt werden von Privatleuten.
Wir schlachten hier auch jeden alten Rechner der uns in die Finger kommt aus und bauen uns Rechner nach dem Prinzip “Aus 3 mach 1″.
Was aber auf jeden Fall Geld-, Zeit- und Energieverschwendung ist, ist es Computerschrott nach Afrika zu schicken und zu glauben man täte damit etwas Gutes. Zumal die Entsorgungsfrage meist auch nur unzureichend geklärt ist.
Wir freuen uns auf jeden Fall über jeden gebrauchten Rechner der den Weg zu uns findet. Und über neue Rechner freuen wir uns natürlich auch ;-)
1. Februar 2008 um 15:57:27
Hallo Fu,
vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe mir eure Homepage Delta Cultura angeschaut und finde es sehr gut, dass ihr alte Hardware recyceln wollt. Schließlich bin ich ein großer Fan davon, Gnu/Linux auf alter Hardware zu installieren, was du vielleicht an einigen Beiträgen in meinem Blog bemerkt hast.
Wenn ich das bei eurer Seite richtig gesehen habe, dann quält ihr eure PIII-Rechner mit Windows XP. Wie kommt es zu der Entscheidung gegen Gnu/Linux oder einem anderen freien Betriebssystem? Wieso investiert ihr das wenige Geld, das euch zur Verfügung steht, in teure Lizenzen?
Damit die Gesellschaften in 3.-Welt- oder Schwellenländern überhaupt eine Chance haben, sich eine eigene IT-Infrastruktur aufzubauen, bzw. eine eigene IT-Industrie zu entwickeln, muss man doch auf Freie Software und Open Source-Lösungen setzen, um nicht gleich mit Lizenzen, Patente usf. durch die Konkurrenz der westlichen Welt erdrückt zu werden. Oder siehst du das anders?
Viele Grüße,
Christian
7. Februar 2008 um 18:42:15
Hallo Christian,
vielen Dank, dass Du Dir unsere Seite angesehen hast!
Du hast völlig Recht was z.B. (K)ubuntu und andere Linux Distributionen angeht – ich bin auch ein grosser Fan von OpenSource und freien Betriebssystemen. Leider ist es bei den Rechnern die wir für unsere Schulungen einrichten so, dass wir immer noch Microslave Produkte verwenden, denn diese Produkte werden hier in der Praxis verwendet und unsere Schüler sollen in erster Linie mit einem Windows und einem MSOffice zurecht kommen nach unserer Ausbildung. Ich selbst arbeite mit Kubuntu, aber auch mit XP, wobei ich z.B. schon seit Jahren kein MS Office oder andere MS Produkte mehr verwende. Ich würde so gerne komplett auf Linux umstellen, aber das kann ich angesichts der Übermacht von MS hier erst mal nicht so ohne weiteres.
Kosten für XP und Office fallen uns übrigens nicht an, da es sich bei den Lizenzen ebenfalls um Spenden handelt. Müssten wir MS Produkte kaufen so würden wir sicher komplett darauf verzichten und das Geld besser investieren ;-) So bleibt mir nicht viel als schrittweise Linux Rechner anzubieten, mehr OpenSource Software zu verwenden etc. Wir gehen in diese Richtung, aber es geht alles sehr sehr langsam hier
7. Februar 2008 um 21:23:45
Hallo Fu,
durch Lizenz-Spenden erhält man einfach die Abhängigkeit von Microsoft, was besonders in den Ländern der 3.-Welt augenfällig ist, aber z.B. in Deutschland oder Österreich läufts ja auch nicht unbedingt anders.
Gegen die Dominanz von Microsoft kann man nur in kleinen Schritten vorgehen, indem man halt, wie du sagst, Open Source-Software unter Windows installiert oder den Leuten mal Kubuntu zeigt, damit sie sehen, dass es nichts besonders kompliziertes ist und Berührungsängste abgebaut werden. Und wer OpenOffice, Firefox und Co. unter Windows benutzt hat, wird sich auch ganz schnell unter einem anderen Betriebssystem darin zurechtfinden. So gesehen ist dein Ansatz doch völlig in Ordnung. Ich drück dir die Daumen, dass es irgendwann mal schneller gehen wird.
Viele Grüße,
Christian
12. Februar 2008 um 18:00:17
Hallo Christian,
ja, das mit den Lizenzen sehe ich genau wie Du. Leider sind wir da allerdings echt “abhängig”…
Wir suchen übrigens schon länger nach Finanzierungsmöglichkeiten um z.B. die Bereitstellung von CMS und OpenSource Software in der Landessprache Kriolu zu ermöglichen. Bisher ist auch dies eine grosse Hürde für Kapverdianer, denn es gibt allenfalls Software in Portugiesischer Sprache (welche zwar Amtssprache ist, nicht aber gesprochen wird).
Unser Ansatz ist es, sich dann an Übersetzungen zu beteiligen bzw. diese anzufertigen. Aber auch da: Zeit und Geld sind riesen Faktoren. Ideen und Pläne haben wir zahlreich, wir arbeiten an der Umsetzung ;-)
Vielen Dank für Deine Wünsche!
Liebe Grüsse aus Afrika,
Fu
20. März 2009 um 15:11:52
Warum in die Ferne schweifen, wenn das gute doch so nah ;) Auf den Chemnitzer Linuxtagen stand das Projekt computerspende.org direkt neben dem Linux4Afrika-Stand. M.E. auch eine sehr sinnvolle Sache!-)