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Kopieren als Kulturtechnik

Das neue Handy ist da

29. Juli 2009 von Christian Imhorst

Vielleicht überrascht es den einen oder anderen. Nachdem ich ein halbes Jahr mit dem iPhone unterwegs war habe ich das Smartphone von Apple verschenkt und mir ein E71 von Nokia gekauft. Das heißt für mich, dass ich wieder zu meinen “Ursprüngen”, einem auf Symbian OS basierenden Telefon zurückkehre, das mir mehr Möglichkeiten zum Spielen an die Hand gibt, als das iPhone.

Sicher, das iPhone ist ein tolles Smartphone, wenn man kein Problem damit hat, sich an Apple und iTunes zu binden, und man neben den üblichen Handy-Geschichten nicht mehr machen möchte, außer mit den von Apple lizensierten Apps zu spielen. Freie Software oder vielleicht eine freie Auswahl von Freeware ist Fehlanzeige. Es gibt nur einen Browser, einen Musik-Player und so weiter. Sicher, man kann das iPhone jailbreaken, das muss man allerdings nach jedem Update des Betriebssystems wiederholen, und man braucht dazu MacOS X oder Windows. Als Gnu/Linuxer ist man da aufgeschmissen. Außerdem kann man den Speicher nicht erweitern, keine Office-Dokumente oder auch nur kleine Textdateien bearbeiten, Dateien per Bluetooth verschicken und vieles mehr. Das beste am neuen Telefon ist für mich, dass ich meine Kontakte und Kalendereinträge problemlos mit Nokias Mail for Exchange synchronisieren und Python ohne Umwege installieren kann.

Auf der Download-Seite von Mail for Exchange wählt man Region und Handy-Modell aus und kann nach Eingabe von ein paar Daten die Software direkt auf das Handy installieren, oder, wenn man mit dem PC die Seite ansteuert, die Datei herunterladen und danach zur Installation mit dem Datenkabel oder per Bluetooth auf das Handy übertragen. Ich habe die Seite mit dem Browser des E71 geladen und die Software direkt auf das Handy installiert. Nach der Installation fordert einen Mail for Exchange dazu auf, ein paar Daten einzugeben:

Anmeldeinfo:

  • Benutzername: xy@gmail.com
  • Kennwort:, das eigene Kennwort.
  • Domäne: google.com

Nach der ersten Synchronisation beschwert sich das Programm, dass kein Exchange-Server eingetragen ist. Das holt man unter Optionen -> Profil bearbeiten -> Verbindung nach.

Verbindung:

  • Exchange-Server: m.google.com
  • Sichere Verbindung: Ja
  • Zugriffspunkt: Hier einfach den gewünschten Zugriffspunkt auswählen.

Zurzeit wird nur die Synchronisation von Kalendereinträgen und Kontakten unterstützt, weshalb man nur diese beiden Punkte einstellen sollte:

Kalender:

  • Kalender synchronisieren: Ja
  • Erste Sync: Elemente auf Telefon löschen

Ähnliches trägt man bei Kontakte ein während man bei Aufgaben und E-Mail unter Kalender synchronisieren ein Nein einträgt. Abschließend sollten die Änderungen unter Optionen -> Speichern gesichert werden.

Die aktuelle Version PythonForS60_<Version>.tar.gz gibts unter garage.maemo.org. Nach dem Entpacken des Archivs findet man die Dateien Python_<Version>.sis und PythonScriptShell_<Version>.sis im Ordner PyS60Dependencies, welche man nacheinander und in dieser Reihenfolge auf dem Gerät noch installieren muss. Dazu lädt man beide aufs Telefon und klickt sie einzeln im Dateibrowser an. Die Installation läuft dann automatisch.

Die Python-Shell befindet sich auf dem Telefon im Ordner “Installationen”. Nach dem Start der Shell gibt es unter “Optionen” drei Auswahlmöglichkeiten:

  • Run script, um ein Skript aus dem Python-Ordner auszuführen.
  • Interactive console, das ist die Konsole.
  • Bluetooth console, damit kann man Python “fernsteuern”.

Mit Run script startet man seine eigenen Skripte und Interactive console ist eine typische Python-Konsole auf dem Handy. Allerdings ist es ganz schön mühsam, Befehle mit der kleinen Tastatur einzutippen, so als würde man eine SMS schreiben. Daher ist Bluetooth console eine geniale Erfindung, um über die Bluetooth-Schnittstelle eine Konsolen-Sitzung zu erzeugen. Für Bluetooth unter Gnu/Linux braucht man bluez-hcidump, cu und eventuell noch ein paar andere Pakete.

Für die Bluetooth-Konsole macht man die beiden Bluetooth-Schnittstellen des Rechners und des Handys erstmal miteinander bekannt (pairing). In der Gnu/Linux-Shell sieht das folgendermaßen aus:

hcitool scan
hidd --connect 00:11:A2:33:44:5B
hcitool dev

Der letzte Befehl überprüft, ob die Schnittstelle wirklich existiert. Anschließend registriert man erst einen Port am 2. Kanal, um danach an ihm zu lauschen:

sdptool add --channel=2 SP  
rfcomm listen rfcomm2 2

Auf dem Handy wählt man nun die Bluetooth-Konsole aus und verbindet sich mit der Bluetooth-Schnittstelle des Gnu/Linux-Rechners. Dort öffnet man ein zweites Terminal und übernimmt mit folgendem Befehl die Kontrolle über die Python-Konsole auf dem Handy:

cu -l /dev/rfcomm2

Über die Konsole kann ich Befehle an das Telefon schicken und schauen, was auf dem Handy-Display passiert. Als Beispiel folgt ein kleines “Hallo Welt”-Programm:

import appuifw
appuifw.note(u'Hallo Welt. ;-)', 'info')

In einige Linux-Distributionen gibt es den cu-Befehl übrigens nicht. Hier hilft das Programm minicom weiter, das mit cu vergleichbar ist.

Wer sich mit Python auf der S60-Plattform weiter beschäftigen möchte findet unter symbianresources.com einen guten Einstieg.

Geschrieben in Gnu/Linux

2 Antworten

  1. Arthur

    Mail for Exchange bzw. Exchange Active Sync gehört mittlerweile zum Standard bei den iPhones – ohne das man extra was installieren muss.

    Klar Apple ist durch und durch Kommerz-Laden mit proprietärer Hard- und Software von denen andere Unternehmen sich gerne etwas abschauen. Aber eines muss man den Jungs lassen, bei der Usebility sind die einfach genial.
    Die Bedienung bzw. Menüführung von den Nokias ist dagegen in vielen Bereichen einfach zu umständlich. Ist wie Vista auf dem Handy!

    Da es mit den OpenMoko-Geräten wohl nicht weiter geht, liegt meine Hoffnung im Palm Pre. Wenn es dafür genügend Apps gibt und der Hersteller die Community unterstützt und fördert, dann könnte das dem iPhone Paroli bieten.

  2. Sebastian Weisgerber

    Hoffnung liegt wohl nur bei Maemo, da Palm in die gleiche Kerbe haut wie Apple.
    Der Vista Symbian Vergleich hinkt ein wenig.
    Symbian hat eine sehr klassische Menüführung, die jeder bedienen kann der sich mit Win98 schon zurechtfand.
    Ein Iphone bedienen kann jeder der sich mit nichts zurechtfindet, was sich leider auch in der Funktionalität niederschlägt.
    Wenn solch eine kinderleichte Usability mit solch einem abgeschotteten System erkauft wird, das mir keine legalen Möglichkeiten bietet, ein paar Programme zu installieren, die nicht von Apple vorgekaut wurden, nehm ich Abstriche in der Usability gerne in Kauf.