Ubuntu Netinstall mit 6 Disketten
Bei ubuntuforums.org habe ich den Eintrag “6.10: Netinstall floppies” entdeckt, der gleich mein Herz für Low-Tech höher schlagen ließ. Der User Curufir hat die CD-Rom mini.iso für eine Minimalinstallation von Edgy auf sechs Disketten aufgeteilt. Dieses etwa 8 MB große Image beinhaltet Kernel, Netzwerktreiber und ein Grundgerüst für die Installation für x86-Prozessoren. Die Aufteilung auf Disketten ist nützlich für alle, die Ubuntu auf einen Computer ohne CD-Laufwerk installieren wollen, der auch nicht über PXE einen netzwerkbasierten Bootvorgang ermöglich kann. Von Debian war mir die Methode von Floppy-Disketten zu booten schon bekannt, bei Ubuntu ist sie mir neu.
Curufir hat die Disketten-Images in 12 Dateien aufgeteilt, die alle die Dateiendung .zip haben. Dabei handelt es sich aber nicht um komprimierte Zip-Dateien, sondern um das jeweils halbe Diskettenimage. Der Grund ist, dass das Ubuntuforum nur den Upload von Dateien mit maximal 920 kB erlaubt. Da eine Diskette bekanntlich 1.44 MB groß ist, musste er die Images splitten. Die beiden gesplitteten Dateien hat er dann die Dateiendung .zip verpasst, weil die Forumssoftware das Hochladen nicht erlaubt hätte. Nachdem man alle 12 Dateien heruntergeladen hat, muss man die Images wieder zusammensetzen. In der Windowsbefehlszeile benutzt man dazu den Befehl copy:
copy /b boot.1.zip+boot.2.zip boot.img copy /b disk1.1.zip+disk1.2.zip disk1.img ...
Bei einem Unix-Betriebssystem macht man das mit dem Befehl cat:
cat boot.1.zip boot.2.zip > boot.img cat disk1.1.zip disk1.2.zip > disk1.img ...
Am besten legt man sich einen Ordner in seinem Home-Verzeichnis an, zum Beispiel mit dem Namen “Netinstall” und lädt die Dateien gleich dorthin herunter. Im Terminal tippt man dann “cd ~/Netinstall”, um in das Verzeichnis zu wechseln.
Da ich mir die Arbeit mit den Images bereits gemacht habe, kann man sich hier eine ZIP-Datei mit den fertigen Diskettenimages herunterladen, die man dann nur noch entpacken muss. Hier die MD5-Summen zum prüfen, ob die Images in Ordnung sind:
aa644704d5251b304f1a23083c9eb291 boot.img 8afd1b03c2ae2541749396ea7a77c56d disk1.img a2fb9e2eb5cdbc27589764e25c8d1a13 disk2.img 98f639fee8f68739119f0967c12adef0 disk3.img 4c055f660d8cac486dd04552e5d24806 disk4.img e6a49dd7c2da752e97e77e6b42818650 disk5.img
Die MD5-Summen einfach mit der in der beigefügten Datei “check.md5″ abgleichen, oder die obigen per copy and paste einfügen und überprüfen:
md5sum -c check.md5
Die Images können jetzt auf richtige Disketten geschrieben werden. Disketten, wir erinnern uns, sind ein sehr fehleranfälliges Medium. Es kann also sein, dass beim Beschreiben der Floppy und auch während der Installation Probleme auftauchen können, weil ein Sektor der Disk beschädigt ist, oder ähnliches. Gleich nachdem man die Disketten erstellt hat, sollte man sie beschriften, da man bei sechs Disketten schnell den Überblick verlieren kann. Unter Windows werden die Disketten mit dem Programm RawWrite erstellt, in Unix mit Bordmitteln:
dd if=~/Netinstall/boot.img of=/dev/fd0 dd if=~/Netinstall/disk1.img of=/dev/fd0 ...
Nun hat man sechs Disketten für die Installation. Die Bootreihenfolge im BIOS des Computers muss so eingestellt werden, dass zuerst vom Diskettenlaufwerk gebootet wird. Danach legt man die Diskette mit dem Namen “boot.img” ein und startet den Computer neu. Nach einer kleinen Weile wird man gebeten, die erste Diskette einzulegen, dann die zweite und so fort. Nach der letzten Diskette erfolgt die textbasierte Installation von Ubuntu. Viel später wird man dann gefragt, ob man Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu oder einen Server installieren will. Für welche Installation man sich entscheidet, hängt nun sehr stark vom Computer ab, auf den man Ubuntu installieren möchte. Die Installation kann eine Weile dauern, da die Miniinstallation sich alle Pakete aus dem Internet herunterladen muss. Es kann auch passieren, dass die Installation hier abbricht, weil die Netzwerkkarte des Rechners nicht von der Miniinstallation erkannt wird. Dann muss man sich entweder nach einer neuen Netzwerkkarte oder einer weiteren Installationsmöglichkeit umschauen.
Das ganze mit Qemu
Jetzt bin ich natürlich von der Idee so angetan, dass ich sie gleich ausprobieren möchte. Einen entsprechenden Computer hätte ich da, nur leider keine Disketten. Also wird das ganze zu einer Trockenübung mit Qemu. Ein etwa 2 GB großes Image für die Festplatte hatte ich schon einmal vorbereitet und wird nun als “Ubuntu.img” in den Ordner “Netinstall” kopiert, in dem auch die Diskettenimages liegen. Mit folgendem Befehl starte ich die Installation:
qemu -m 128 -localtime -fda boot.img -hda Ubuntu.img -boot a
Der Installer fordert mich nun auf, die Diskette zu wechseln und Disk 1 einzulegen und eine beliebige Taste zu drücken. Erstmal drücke ich eine beliebige Taste und erhalte die Fehlermeldung “Error 15: File not found”. Ist ja auch logisch, weil ich Qemu noch nicht mitgeteilt habe, dass er die Diskette wechseln soll. Diese Fehlermeldung erscheint auch, wenn die Disketten in der falschen Reihenfolge eingelesen werden, oder wenn ein Image, bzw. eine Diskette defekt ist. Ich starte Qemu nochmal neu und bei der Aufforderung, Disk 1 einzulegen, wechsel ich mit der Tastenkombination Strg+Alt+2 (bzw. Ctrl+Alt+2) in den Qemu-Monitor, um die Diskette zu wechseln [1]:
(qemu) change fda disk1.img
Mit Strg+Alt+1 wechsel ich wieder zurück zum VGA-Display von Qemu und sehe, dass mich das Installationsprogramm nun auffordert, Disk 2 einzulegen. Also mit Strg+Alt+2 zurück zum Qemu-Monitor,
(qemu) change fda disk2.img
eingeben und mit Strg+Alt+1 zurück, wo ich aufgefordert werde, Disk 3 einzulegen und so weiter bis Disk 5. Danach startet die textbasierte Installation von Ubuntu in der virtuellen Maschine.
[1] Vielen Dank ans Qemu-Forum für den Tipp.
Geschrieben in Gnu/Linux


2. April 2007 um 12:39:29
Warum kann man eigentlich zwischen [Xu|Ku|U]buntu wählen? Eine minimalinstallation installiert doch nur ubuntu-base bzw. eben das Basisystem, und das sollte bei jeder der drei Versionen absolut identisch sein…
Gruß
2. April 2007 um 17:39:45
Ja, das stimmt. Die Abfrage kommt nach der Installation des Basissystems. Dann kann man “Abbrechen” wählen, und hat ein Basissystem, oder man kann [Xu|Ku|U]buntu auswählen und bekommt den jeweiligen Desktop installiert. Das meinte ich.
Gruß,
Christian
4. April 2007 um 14:35:42
Vielen Dank für die Antwort
Das erklärt in etwa, was bei Kabir bei http://forum.ubuntuusers.de/topic/83285/ schiefgelaufen ist.
Bitte den Teil ab der Antwort mdkusers nicht weiter beachten, der ist nicht repräsentativ für das Forum.
Gruß
6. April 2007 um 05:13:00
…von meiner Seite noch ein großes Dankeschön, diese Anleitung hat meinen Laptop gerettet
Gruß Kabir
6. April 2007 um 05:18:41
…ach ja, ich hatte die Installation 2mal durchgeführt, da schon beim ersten mal das Desktop fehlte, aber auch beim 2mal klickte ich bei der Frage nach der Version Xubuntu an.
Erst durch die nachträgliche Eingabe:
“sudo apt-get xubuntu-desktop install” funktionierte es.
Gruß
6. April 2007 um 09:53:09
Schön, dass es dir geholfen hat, Kabir. Ich habe noch nie versucht, nach dem Netinstall Xu-, Ku- oder Ubuntu zu installieren, da ich mich meist für IceWM entscheide. Aber dazu ein anderes Mal mehr. Danke für deinen Hinweis.
9. Juli 2007 um 19:24:37
Nach booten von der ersten CD erscheint bei mir auf dem Schirm nur “GRUB GRUB _” und nichts passiert.
Ich habe die Diskette sogar neu erstellt, aber immer das gleiche. Ist das so richtig? Oder wo liegt der Fehler?
9. Juli 2007 um 21:27:39
Moin Anonymous,
das ist eine Fehlermeldung des Bootloaders GRUB. Worin der Fehler liegt, ist schwer zu sagen, da ein paar Informationen von dir fehlen. Was hast du für einen Rechner, war Linux bereits installiert, oder ein anderes OS?
Ich würde erstmal so vorgehen, dass ich den Master Boot Record (MBR) löschen würde, da GRUB meines Wissens standardmäßig auf den MBR zugreift. Die Fehlermeldung könnte erscheinen, weil der MBR mit irgendetwas belegt ist.
Wenn du eine MS-DOS Boot-Diskette hast, einfach booten und mit
den MBR löschen.
Viele Grüße,
Christian
16. August 2007 um 12:42:05
iegendwie bekomme ich das mit den Disketten nicht hin. irgendwann wird, um eine Internetverbindung erstellen zukönnen, nach proxy-Daten gefragt.ich weiß aber nicht, wa ich da hinschreiben soll (habe eine dsl-verbindung). Die Daten sollen folgende Standardform haben:
http//[[user][:pass]@host[port]
Kann mir jemand weiterhelfen, wie ich das nun umsetzen soll, habe keine Ahnung.
16. August 2007 um 17:59:45
Hallo,
also wenn du nicht hinter einem Proxy-Server sitzt (was man normalerweise nicht tut, denn wenn du hinter einem sitzen würdest, dann wüsstest du es), brauchst du da gar nichts eintragen. Du kannst die Felder leer lassen und auf “Weiter” klicken.
Viele Grüße,
Christian
18. August 2007 um 19:59:54
[...] AW: Kubuntu ohne CD-Laufwerk installieren? Ja, bers LAN gehts. Google mal nach "ubuntu network install", da drftest du einige Anleitungen finden. Ansonsten gehts auch per Diskette. [...]
19. August 2007 um 18:19:07
mit leerlassen komme ich leider nicht weiter. Allerdings läuft meine Verbindung auf meinem Noteb. über Wlan, die verschlüsselt. Ich habe auch die Verschlüsselung kurzfristig aufgehoben. auch so war eine Verbindung nicht herzustellen. Über die Disketteninstallation wird zumindest meineNetzwerkkarte erkannt.
19. August 2007 um 21:46:40
Pardon, also nocheinmal. Die Sache ist für mich etwas komplizierter und Romane schreiben wollte ich eigentlich nicht, aber es läßt sich nunmal nicht vermeiden. Mein Notebook hat leider ein nicht funktionsfähiges DVD-Laufwerk, somit ist das booten hiervor nicht möglich, bios unterstützt bei mir auch nicht das booten von usb. Vor einiger Zeit habe ich – und das war ein großer Fehler – mit einem Spezialprogramm die gesamte Festplatte gelöscht und seitdem kein Betriebssystem mehr drauf spielen können. Vorgestern haben wir mit einem Freund die Festplatte ausgebaut, sie an seinem Notebook eingesetzt, Windows draufgespielt und wieder bei mir eingesetzt. Mein Rechner erkennt nun auch diese Festplatte, die von einem fremden Notebook mit Windows XP eingespielt wurde, nicht. Auf meinem Notebook lief allerdings Windows XP, wie auch ME einwandfrei, bis ich mit dban die Festplatte gründlich reinigte. Ein laufendes Diskettenlaufwerk habe ich, das mir zur Verfügung steht. Theoretisch wäre es denkbar von dort zumindest ein kleines Betriebssystem (z.B. eine besimmte Linux-Distr.) zu installieren um über diesen Weg die USB Anschlüsse funktionsfähig zu machen. Habt Ihr vielleicht eine Idee?
20. August 2007 um 19:06:06
Hallo Jamo,
wenn die Disketten in Ordnung sind, sollte die Installation problemlos funktionieren. Allerdings würde ich dazu nicht W-LAN benutzen, sondern eine Netzwerkkarte. Wenn dein Notebook keine hat, würde ich mir an deiner Stelle eine PCMCIA-Netzwerkkarte besorgen. Schau aber vorher nach, ob sie auch von Linux unterstützt wird. Die Disketten enthalten eine initrd (initial ramdisk), die nur die nötigsten Treiber lädt und den Rest zur Installation des Betriebssystems aus dem Internet besorgt. Es ist also gut möglich, dass deine W-LAN-Karte von den Treibern der initrd nicht richtig unterstützt wird. Hier hilft dir nur eine Netzwerkkarte. Falls du auch mit der Netzwerkkarte scheiterst, bleibt dir eigentlich nur noch der Versuch mit Debian-Floppies. Eine andere Möglichkeit weiß ich gerade leider nicht, ausser vielleicht noch FreeDOS. Mit FreeDOS habe ich mich aber noch nicht beschäftigt.
31. Juli 2008 um 16:25:52
Super Anleitung!
Habe mit meinem IBM T21 nur folgendes Problem:
Boot-Diskette wird ohne weiteres genommen und auch bei Disc 1 gibt es selten Probleme. Aber spätestens bei Disc 2 sagt er mir, “File not found”.
Die hashes habe ich geprüft: alles ok. Ich kopiere die images mit Ubuntu 8.04.
Vielen Dank für eventuelle Hilfe!
lG
6. August 2008 um 19:11:47
Hallo RoughlY,
bist du sicher, dass die Diskette in Ordnung ist? Ansonsten weiß ich leider keinen Rat.
Viele Grüße,
Christian
2. September 2008 um 21:30:23
Hallo!
Vielleicht kann mir einer von euch helfen.
Bei mir klappt alles soweit aber bei der angabe des Mirror komm ich nicht weiter.Lan mit DHCP funktioniert.Kann es sein das es die Ubuntu-Version(6.10?) gar nicht mehr gibt?
Gruß Markus
4. September 2008 um 15:00:43
Hallo Markus,
das ist möglich. Leider finde ich kein aktuelles Ubuntu, dass sich mittels Disketten installieren lässt. Hast du schonmal Debian probiert?
http://www.debian.org/releases/stable/i386/ch05s01.html.de
Viele Grüße,
Christian
18. Oktober 2009 um 13:24:22
Hallo und vielen dank für den Beitrag.
Gibts denn auch eine Möglichkeit anstatt das ganze mit Netinstall lokal z.b. von einer CD zu machen? Das heisst, dass dann die Diskette(n) das Installationsprozedere machen würden und dann anstatt vom Netz die Pakete von der CD holen.
Grund für das Umständliche Denken: CD-Install geht nicht (Installation bricht ab weil das CD-Laufwerk nicht erkannt werden kann) und Netzwerkanschluss hat der Laptop auch nicht.
19. Oktober 2009 um 18:35:23
Hallo,
also, wenn ich dein Problem richtig verstanden habe, und du zwar von CD lesen, aber nicht booten kannst, dann sollte dir der Eintrag Bootdiskette aus dem Wiki von ubuntuusers.de weiterhelfen. Meine ich zumindest. Oder habe ich dich falsch verstanden?
Viele Grüße,
Christian